Was Fachkräfte wirklich wollen – eine persönliche Beobachtung

„Fachkräfte suchen nach Sicherheit – nicht nach Herausforderungen“, so titelte kürzlich der Wollmilchsau-Blog. Befragt wurden 2000 Fachkräfte mit Berufsausbildung, also bewusst keine Akademiker. Ich selbst habe die ersten Jahre meines Berufslebens mit der Suche nach Fach- und Führungskräften aus IT und Ingenieurswesen, also Akademikern, verbracht. Danach habe bin ich umgestiegen und habe in der Regel nach Nicht-Akademikern Ausschau gehalten: Küchenleiter, Köche, Küchenhilfen, Spülkräfte (jeweils m/w). Bald werden es wieder ITler sein. Ich selbst bin ebenfalls kein Akademiker. Ich maße mir daher an, anhand höch-persönlicher Beobachtungen (ich erhebe hier gar nicht den Anspruch auf Empirik) die Frage zu beantworten:

Was wollen Fachkräfte wirklich?

Zumächst musste ich feststellen, dass sowohl ITler als auch Köche zu seltenen Spezies gehören. Jetzt werden die ersten IT-Recruiter schon die Hände über dem Kopf zusammen schlagen „Was? Köche findet man doch an jeder Ecke! Aber so ein richtig guter Java-Entwickler…!“ Ihr habt vollkommen Recht: „Köche“ findet man an jeder Ecke. Aber es ist wie mit dem „richtig guten“ Entwickler: so ein richtig guter Koch, der sein Handwerk noch von der Pike auf gelernt hat und auch bei den Basics nicht auf gekörnte Brühe etc. setzt, da wird es schon eng. Und beiden Branchen, Gastronomie und IT, geht es gleich: die Wirtschaft brummt und so auch die Wirtschaften… (sorry…)

 

Und nachdem ich nun selbst in beide Bereich etwas reinschnuppern durfte stelle ich fest, dass die Ansprüche von beiden ähnlich sind und gar nicht so weit auseinander liegen wie der Artikel vielleicht andeutet. Beide Fachkräfte kommen direkt aus der Ausbildung / dem Studium in einen „Bewerbermarkt“. Bei können sich quasi aussuchen, bei welchem Unternehmen sie anfangen wollen. Gefragt sind beide.

Geregelte Arbeitszeiten und bloß keine Autorität…

Bei den Arbeitszeiten war es bei unseren beiden Fachkräften wohl in der Vergangenheit gleich. Der Koch, wenn er denn was werden wollte, musste reisen. Er musste nach seiner Ausbildung möglichst viele Betriebe sehen. Und dort musste er schuften. Ich glaube in wenigen Branchen gilt das Arbeitszeitgesetz so wenig wie in der Gastrononmie. 12 Stunde täglich gelten in der Spitzengastronomie glatt als Teilzeit. Und ähnlich ging es früher dem klassischen Programmierer. Wieviele Nächte wurde da wohl unbezahlt in die Tasten gehauen und zum Dank gabs vielleicht ne Pizza auf den Chef…

Das ist vorbei. Viele Köche suchen heute direkt nach der Ausbildung den Schritt in die Gemeinschaftsverpflegung, weil sie sich endlich geregelte Arbeitszeiten und freie Wochenenden und Feiertage sehnen. Vorbei die Tage, in denen man sich erst die Sporen in den bekannten „Knochenmühlen“ verdienen musste…

Abstriche beim Gehalt wollen sie dafür aber dennoch nicht hinnehmen. Jetzt muss man der Ehrlichkeit halber ergänzen, dass die Fallhöhe in der Gastrononmie hier nicht ganz so hoch ist. Aber ich konnte selbst erleben, wie wir die Einstiegsgehälter immer wieder nach oben korrigieren mussten, weil die jungen Leute nicht mehr bereit waren dafür arbeiten zu gehen. Auch der Verweiß auf den hinkenen Vergleich auf die freie Gastronomie (Arbeitszeiten, Feiertage, etc.) interessierte da nur die wenigsten.

Ähnlich kenne ich es noch aus der IT. Ich erinnere mich an einen Satz, den ich vor ca. 4 Jahren von einem Absolventen – völlig ohne Berufserfahrung – noch vor dem ersten Gespräch zu hören bekam:

Ich wäre bereit für 48.000 EUR p.a. anzufangen. Für weniger kann ich ja gleich in Teilzeit im Supermarkt Regale auffüllen! Aber bei 20 km Anfahrt müssen da schon mindestens zwei Tage Homeoffice pro Woche drin sein…

Zum Selbstverständnis des Kerls muss ich wohl nichts mehr sagen. Und er war beileibe kein Einzelfall. Und, ja! Die konnten und können sich das erlauben.

… aber maximale Freiheit bei größtmöglicher Sicherheit!

Da schwingt auch schon mein nächster Punkt mit. Das vielgepriesene „Homeoffice“ betrachten viele in der Branche ja bereits als normal. Die sog. Generation Y, so hören wir, will ja auch keine Karriere mehr machen. Angeblich weil sie nicht mehr an Autorität glauben. Tatsache ist: sie wollen keine Autorität mehr akzeptieren! Am liebsten möchte man frei von allen Weisungen arbeiten (man selbst ist ja „High Potential“ und daher die Benchmark). Am liebsten möchte man arbeiten wie ein Selbstständiger: kommen und gehen wann man will. Man selbst übernimmt nur noch die interessanten, gewinnversprechenden Themen. Und nebenher am liebsten noch das ein oder andere private Projekt. Das Ganze natürlich bei vollem Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall..

Wie sollen wir euch nur erreichen?

Sowei das was ich schon wusste. Aber den zweiten Teil des Artikels fand ich noch viel spannender: unser Personalmarketing erreicht nicht-Akademiker nicht! Das ist wohl noch einen eigenen Artikel wert. Aber von mir schonmal folgendes dazu: ist euch schonmal aufgefallen, dass es 1001 Buch, Artikel, Blog… zu dem Thema „Fachkräfte gewinnen“ gibt. Ich habe allerdings noch noch keinen vernünftigen Beitrag zu folgender Frage gefunden:

Wie finde und binde ich „Hilfs- und Anlernkräfte!“

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