Transparente Gehälter – Der Zwang zur Offenheit

Während ich diesen Post schreibe bin ich mir bewusst, dass er wahrscheinlich viel zu kurz wird. Meine SEO-Wertung wird mal wieder unterirdisch. Aber es geht um ein Thema, dass mir schon lange unter den Nägeln brennt und gerade wieder ganz aktuell ist: Transparente Gehälter.

 

Es ist ja in den letzten Tagen wieder in aller Munde, dass man nun endlich alle Gehälter in Unternehmen offen legen sollte. Schließlich ist nur auf diesem Weg der Ungleichbehandlung in den Unternehmen Herr zu werden. Es genügt also lange nicht mehr nur das neue Entgelttransparenzgesetz, welches es mir ermöglicht das durchschnittliche Entgelt meiner Kollegen des anderen Geschlechts in meinem Unternehmen zu erfragen. Nein. Ich möchte exakt wissen: was verdient der Vorstand, mein Abteilungsleiter, mein Kollege am Schreibtisch nebenan. Jeder Mitarbeiter, ob er will oder nicht, soll sich gläsern machen. Die totale Transparenz.

 

Was das Ganze so skurril macht: wir leben in dem Land, in dem die Überwachung eines Hotspots mit Videokameras als gefährlicher Eingriff in die Freiheit – und jetzt kommt’s, den Datenschutz gilt. Im Gegenzug ist es für uns alle also total in Ordnung, wenn der Kollege nebenan über meine Einkommensverhältnisse bestens informiert ist.

 

Jetzt mag es mir im ersten Schritt einfach wirklich egal sein. Aber wer wird wohl ein noch viel höheres Interesse an diesen Daten haben als der Kollege nebenan? Was tun, wenn der nächste Ratenkauf platzt, weil meine Bonität allein aus dem Grund in Frage gestellt wird, weil mein Gehalt wohl unter dem Branchendurchschnitt liegt. Alle diese Daten sind ja frei zugänglich.

 

Außerdem steht und fällt eine Open Salaries-Politik mit der Bereitschaft ALLER Beschäftigten daran teilzunehmen. Der Druck auf den Einzelnen sich nicht zu verweigern ist enorm. Sowohl für die Kollegen als auch die Führungsetage ist der Querulant einfach auszumachen. Was hat er wohl zu verbergen? Warum zieht er nicht mit?

 

So, nun ist der Artikel doch wesentlich länger geworden als erwartet… Ich würde mich sehr über Feedback zu diesen Gedanken freuen – insbesondere wenn jemand bereits Erfahrungen mit transparenten Gehältern gesammelt hat.

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